Warum ich mich für eine vegane Ernährung entschieden habe?

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Warum ich mich für eine vegane Ernährung entschieden habe?

Warum habe ich mich für eine vegane Ernährung entschieden?

Ich bin wie warscheinlich 99% der Menschen in Deutschland nicht als Veganerin auf die Welt gekommen. Als Kind habe ich immer gerne Fleischwurst, Bockwurst oder Hähnchen gegessen. Fleisch, Milch und Eier waren für vollkommen „normal“ und ich habe die Herkunft dieser Produkte damals nie in Frage gestellt. Außerdem mochte ich den Geschmack gerne. Ich weiß also was man „aufgiebt“, wenn man Veganer wird. Hier ein Beweisbild:

Ich als Kind mit Fleischwurstkringel
Ich als Kind mit einem Kringel Fleischwurst

Aber ich war auch schon immer sehr Tierlieb und liebte unseren Kater Tom und meine Degus über alles. So kam es, dass ich bereits mit 16 Jahren Vegetarierin wurde. Dazu entschieden habe ich mich vorrangig aus Liebe zu den Tieren. Dennoch habe ich mir damals nie wirklich viele Gedanken darüber gemacht, wo mein Essen und insbesondere Milch und Eier eigentlich her kommen. Für Milch und Eier sterben ja keine Tiere, und Milch zu trinken ist doch das Normalste der Welt – dachte ich damals jedenfalls.

Das hat sich allerdings 2017 von einem auf den anderen Tag verändert. Ich hatte in diesem Sommer viel Freizeit und habe so gefühlt alle Kochkurse belegt, die die VHS im Programm hatte. Darunter war auch ein veganer Kochkurs. Damals hielt ich Veganer noch für extrem, denn wer würde freiwillig auf Käse verzichten?

Käsebuffet aus meiner Zeit in Frankreich
Käsebuffet aus meiner Zeit in Frankreich

Ich bin lange Zeit ein regelrechter Käse Junkie gewesen. Ich habe 2015 für 6 Monate in Frankreich gelebt und mich dort quasi nur von Käse ernährt. In diesem veganen Kochkurs fragte uns die Dozentin dann während der Vorstellungsrunde, ob wir schon vegan leben würden und falls nicht, was uns davon abhalten würde. Und ich sagte:

„Ich könnte nie ohne Käse leben!“

Heute muss ich darüber lachen, denn diesen Satz hört man als Veganer so unglaublich oft von anderen Menschen, die versuchen zu erklären, was sie vom Veganismus abhält. Witzigerweise fehlt mir heute von allen Produkten, die man als Veganer nicht mehr isst, Käse am wenigsten.

Die Dozentin unseres Kochkurses erklärte uns im Anschluss den Grund für meine Käse-„Sucht“. Kühe produzieren einen Wirkstoff namens Casiomorphin in ihrer Milch. Diese Peptide sind mit Opioiden verwandt, daher das Morphin im Namen. Die Morphine in der Milch sollen dazu dienen, die Beziehung des Kälbchens zu seiner Mutter zu stärken, denn beim Säugen wirken sie beruhigend auf das Junge. Milch und Käse machen also abhängig? Davon hörte ich an diesem Tag zum ersten Mal.

„Warum wusste ich davon nichts?“

Das brachte mich ins Grübeln und ich las mich mehr in die Thematik ein. Ich schaute mir Dokus über die Milch- und Eier-Industrie an, inklusive Kükenschreddern und Kälberschlachten. Ich war geschockt, wie grausam in der Massentierhaltung mit den Tieren umgegangen wird. Und auch Bio war hier leider keine Ausnahme, wie ich gehofft hatte. Denn auch für Bioeier und Biomilch werden Küken geschreddert und Kälber ihren Müttern entrissen und geschlachtet.

Kalb allein in einem Kälberiglu

Außerdem erinnerte sie uns daran, dass Kühe Säugetiere sind und daher nur Milch geben, wenn sie gerade ein Kälbchen geboren haben. Die Milch ist also logischerweise für das Kälbchen bestimmt.

Der Mensch ist die einzige Spezies auf diesem Planeten, die im Erwachsenenalter noch Muttermilch trinkt!

Und zu allem Überfluss auch noch Muttermilch einer fremden Spezies, die dazu gemacht ist ein kleines Kälbchen innerhalb eines Jahres in ein riesiges Rind zu verwandeln.

Ich entschied mich also, dass ich mein Bestes geben wollte, um diese Praxis nicht weiter zu unterstützen. Am gleichen Tag noch beschloss ich, meine Ernährung auf vegan umzustellen.

„Was kannst du denn dann überhaupt noch essen?“

Mein Mann Georg war am Anfang nicht so begeistert von dieser Entscheidung. Er hielt die vegane Küche, wie die meisten Menschen, für langweilig und sehr einschränkend in der Auswahl. Aber ich blieb bei meinem Vorsatz und wir einigten uns darauf erstmal ein Gericht am Tag zu veganisieren. Das haben wir dann schrittweise ausgeweitet.

Am Anfang war das kochen ohne Milchprodukte, Käse und Eier sehr ungewohnt und schwierig für mich. Denn meine Standardgerichte waren zu 80% mit Käse überbacken oder enthielten Eier, Quark, Joghurt oder Butter. Daher stürzte ich mich erstmal in die Lektüre veganer Rezeptblocks und Kochbücher.

Ich entdeckte so viele neue Zutaten und Produkte

Ich lernte Zutaten kennen von denen ich vorher noch nie etwas gehört hatte: Tempeh, Jackfruit, Seitan, Hefeflocken, Kala Namak, Flüssigrauch und so viele andere.  

Tempeh

Ich habe früher nie wirklich viel Zeit in der Küche verbracht. Wichtig war nur, dass es schnell geht und satt macht. Aber jetzt hatte ich auf einmal Unmengen an leckeren Rezepten, die ich ausprobieren wollte. Ich entdeckte plötzlich meine Liebe zum Kochen und experimentierte mit neuen Zutaten.

Vegane Ernährung und Genuss müssen sich nicht ausschließen!

Auch Georg schmeckten meine veganen Kreationen super und er merkte langsam aber sicher, dass eine vegane Ernährung und Genuss sich nicht ausschließen müssen.

Außerdem bemerkte er, dass ich plötzlich viel mehr Energie hatte. Vor der Umstellung war ich immer eine totale Couchpotato. Jetzt schlug ich urplötzlich vor Sport zu machen und war dann dabei kaum noch zu Bremsen. Beim Klettern steigerte ich meine Leistung enorm und Georg hatte schon Sorgen, dass ich besser werde als er. Wanderrouten und Klettersteige in den Bergen, die vorher undenkbar gewesen wären, waren auf einmal gut machbar.

Viele positive Veränderungen

Ich bemerkte also die positiven Veränderungen, die so eine Ernährungsumstellung mit sich bringen kann. Und nachdem Georg und ich viel über die Abgründe der Massentierhaltung und die Auswirkungen auf Tiere, Umwelt und unsere eigene Gesundheit gesprochen hatten, entschied er, sich von nun an vegetarisch zu ernähren und sich langsam an das vegane Leben anzutasten.

Wir haben dann zunächst unsere Vorratskammer komplett von tierischen Produkten befreit. Zuhause gibt es seitdem nur noch vegane Kost.

Ganz am Anfang habe ich beim Essen gehen im Restaurant oder bei Freunden noch Ausnahmen gemacht und vegetarisch gegessen, wenn es nichts veganes gab. Aber irgendwann regte mich meine eigene Inkonsequenz auf und ich beschloss im Frühjahr 2018 von nun an komplett vegan zu leben. Praktischerweise war gerade Fastenzeit und so reagierte mein Umfeld ganz gut auf diese Veränderung. Wegen der Fastenzeit vermutlich verständnisvoller als sonst. Daher blieb ich auch nach der Fastenzeit dabei und habe es bis heute noch nicht einmal bereut.

Vegan leben

Mittlerweile habe ich auch meine anderen Lebensbereiche tierleidfrei gestaltet. Ich achte bei Kosmetik und Putzmitteln darauf, dass sie keine tierischen Produkte enthalten und nicht an Tieren getestet wurden. Und ich kaufe keine Kleidung aus Leder, Wolle, Seide oder Daunen.

Natürlich schafft man es nie zu 100%. Auf der Arbeit muss ich z.B. die von der Firma gestellten Sicherheitsschuhe aus Leder tragen. Und letztens habe ich Tabletten vom Arzt verschrieben bekommen, die Milchzucker enthielten.

Aber ich gebe mein Bestes und versuche das Tierleid so gering wie möglich zu halten. Und darum geht es auch beim Veganismus. Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, dass man sein Möglichstes tut. Für die Tiere, für die Umwelt und für sich selbst.

Aktivismus

Mittlerweile engagiere ich mich auch aktiv für Tierrechte. Ich nehme zum Beispiel bei den Straßenaktionen. Dabei stehen wir in Fußgängerzonen und zeigen auf Bildschirmen Videos aus der Massentierhaltung. Mit den Passanten die stehenbleiben führen wir dann sogenannte Outreach-Gespräche. Das gibt mir das Gefühl etwas bewirken zu können und anderen Menschen die Augen zu öffnen, so wie die Kochkurs-Dozentin es damals bei mir bewirkt hat.

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